Erster Freelance-Auftrag: Wie viel soll ich verlangen?
2026-10-20
Mira steht im Fahrradkeller, den Schlüssel noch in der Hand, als das Handy klingelt. Unbekannte Nummer, Festnetz. Sie hebt ab, mehr aus Reflex als aus Mut.
„Guten Tag, Praxis Dr. Albrecht. Wir haben Ihre Website-Arbeiten im Netz gesehen. Wir bräuchten eine neue Seite. Was würde das denn kosten?“
Der Keller riecht nach Kettenöl und feuchtem Beton. Mira hört ihren eigenen Atem. Sie hat seit vier Wochen ein Gewerbe angemeldet. Das ist ihr erster Anruf, bei dem jemand wirklich etwas kaufen will.
Und sie hat keine Ahnung, was sie sagen soll.
Der Satz, der nicht kommen will
Im Kopf rechnet es wild durcheinander. Ihr alter Stundenlohn aus der Agentur? Der war brutto, und davon war sie angestellt. Was Freunde „so nehmen“? Die haben ihr nie eine Zahl genannt, nur ein vages „kommt drauf an“. Und dazu die Stimme, die sagt: Du bist ganz neu, sei froh, dass überhaupt jemand fragt.
„Das hängt vom Umfang ab“, hört sie sich sagen. „Ich schicke Ihnen gern ein Angebot, sagen wir bis Donnerstag?“
„Sehr gern. Dann bis Donnerstag.“
Sie legt auf. Ihr Herz klopft, als wäre sie die Treppe hochgerannt. Dabei hat sie sich gerade nur Zeit gekauft.
Was die Zeit bis Donnerstag kostet
Oben in der Wohnung stellt sie das Fahrrad ab und öffnet den Laptop. Ein leeres Dokument. Cursor. Darüber das Wort „Angebot“.
Sie tippt „60 €“. Löscht es. Tippt „45 €“. Löscht es auch. Dann „80 €“, und sofort denkt sie an die Zahnarztpraxis, an teure Stühle im Wartezimmer, an Menschen, die vermutlich „zu teuer“ sagen werden. Oder noch schlimmer: gar nichts sagen.
Sie googelt. Die Ergebnisse widersprechen sich. Einer schreibt 30 €, eine andere 120 €. Ein Forum rät: „Fang niedrig an, die Referenzen zählen.“ Ein anderes: „Wer billig anfängt, kommt aus der Nummer nie wieder raus.“
Am Mittwochabend sitzt sie mit dem Tee am Küchentisch und merkt: Die Zahl ist gar nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist, dass sie nicht weiß, worauf die Zahl stehen soll. Sie hat nie ausgerechnet, was sie im Monat überhaupt braucht. Nicht nur zum Leben, sondern auch für Krankenkasse, Rücklagen für das Finanzamt, Urlaub, Tage ohne Aufträge, in denen trotzdem Miete fällig ist. Bei einem Termin mit dem Steuerberater wird sie dazu bestimmt noch Fragen haben. Aber für ein Angebot am Donnerstag braucht sie erst einmal ein eigenes Gefühl dafür, was sie mindestens braucht.
Das Schlimme an diesem Abend: Sie würde jede Zahl nehmen, nur damit das Ziehen im Magen aufhört.
Die leise Rechnung
Genau das ist die stille Gefahr beim ersten Preis. Wer ihn aus dem Bauch heraus nennt, nennt ihn meistens aus Angst heraus. Der Auftrag ist ja da, er ist sogar nett, und dann sitzt man sechs Wochen an einer Seite, die am Ende weniger bringt als der Aushilfsjob von früher. Man sagt nichts, weil man „ja neu“ ist. Aber irgendwo, mitten im dritten Korrekturdurchgang, schleicht sich ein kleiner Groll ein.
Mira ahnt das. Sie hat es bei einer Bekannten gesehen, die ihren ersten Kunden bis heute nicht ansprechen mag, weil sie damals so wenig verlangt hat.
Ein Boden unter den Füßen
Am Mittwoch, kurz vor elf, findet sie auf einer Seite einen simplen Rechner. Keine Lösung für alles, keine Zauberformel. Nur Felder: was sie im Monat braucht, wie viele Stunden sie realistisch bezahlt arbeiten kann, wie viel davon in Pausen, Akquise und Buchhaltung verschwindet.
Sie füllt es ehrlich aus, zum ersten Mal ohne Schönreden. Und dann steht da eine Zahl. Nicht „die richtige“ Zahl, das weiß sie. Eher eine Untergrenze. Der Preis, unter dem es sich für sie nicht mehr trägt.
Sie starrt auf den Bildschirm. Es ist mehr, als sie sich selbst zugetraut hätte. Und gleichzeitig fühlt es sich erstaunlich ruhig an. Die Zahl hat plötzlich ein Fundament. Wenn jemand fragt, warum, kann sie antworten. Nicht mit einer Rechtfertigung, sondern mit einem Satz.
Donnerstag, 10:12 Uhr
Das Angebot geht am Donnerstagvormittag raus. Es ist kurz, klar, freundlich. Ein Preis, den sie aussprechen kann, ohne dass ihre Stimme am Ende nach oben kippt. Sie klickt auf Senden, steht auf, macht sich einen Kaffee und merkt, dass sie nicht ständig aufs Postfach schaut.
Vielleicht sagt die Praxis Ja. Vielleicht handelt sie. Vielleicht verhandelt Mira dann auch, aber sie weiß, wo ihre Grenze liegt. Vielleicht kommt auch ein Nein, und es ist okay, weil sie nicht für weniger arbeiten wollte, als sie zum Leben braucht.
Und wenn der Auftrag klappt, wartet schon der nächste Schritt, der sonst gern auf der Strecke bleibt: eine saubere Rechnung, mit Nummer, Datum, Zahlungsziel. Nichts, wofür man sich schämen muss. Etwas, das nach einem richtigen Betrieb aussieht, weil es einer ist.
Ein ganz normaler Montag, ein paar Wochen später
Stell dir diesen Montag vor. Du sitzt mit deinem Kaffee am Schreibtisch, und wenn jemand nach deinem Preis fragt, atmest du kurz durch und nennst ihn. Ohne Entschuldigung vorweg und ohne „na ja, eigentlich…“ hinterher. Du hast eine Untergrenze, du kennst sie, und sie gehört dir.
Das ist keine große Veränderung. Aber sie macht aus „Ich hoffe, das passt“ ein „Das ist mein Preis“.
Wenn du gerade im Fahrradkeller stehst
Vielleicht kennst du das: Jemand will etwas von dir, und du hast noch keine Zahl, die dir selbst gehört. Dann hilft vielleicht ein Boden unter den Füßen, bevor du das Angebot schreibst.
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Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.