Freelance-Stundensatz zu niedrig? Die Werkstatt, 9:30 Uhr
2026-11-03
Der Mann in der Werkstatt dreht den Bildschirm zu Jonas. „Bremsen vorne, Bremsen hinten, und der Zahnriemen ist auch fällig.“ Er tippt auf die Summe. „Dann sind wir bei ein paar Tausend Euro. Wann können Sie den Wagen bringen?“
Jonas ist Webdesigner. Es ist Donnerstag, 9:30 Uhr, und er steht zwischen Reifenstapeln und einem Kaffeeautomaten, der nach Maschinenöl riecht. Er nickt. Er sagt: „Ich melde mich.“
In Wahrheit rechnet er schon. Nicht die Reparatur. Sich selbst.
Die Zahl, die immer gereicht hat
Im Auto zurück sitzt er eine Weile, ohne den Motor zu starten. Auf dem Beifahrersitz liegt der Umschlag der Krankenkasse, den er gestern ungeöffnet mitgenommen hat. Bei der Steuer steht bald wieder eine Vorauszahlung an. Und im Kalender ist der Februar noch so leer wie ein frisch gewischter Tisch.
Sein Stundensatz steht seit vier Jahren in jedem Angebot. Er hat ihn damals aus dem Bauch gewählt. Ein bisschen höher als das, was er im Angestelltenjob pro Stunde bekommen hatte. Das fühlte sich mutig an. Mehr als mutig ging nicht.
Jetzt, im Auto, kommt eine Frage hoch, die er lange weggeschoben hat: Wer bezahlt eigentlich die Stunden, in denen ich nichts abrechne?
Den Urlaub. Die Erkältung. Die Woche, in der ein Projekt auf sich warten lässt. Die Stunden für Angebote, die nie ein Auftrag werden. Den Anteil fürs Finanzamt, die Krankenkasse, die Rentenvorsorge. Den Laptop, der irgendwann nicht mehr will.
Am Ende des Monats landet etwas auf seinem Konto. Aber es fühlt sich an wie geliehenes Geld, das er nicht ganz zurückzahlen kann.
Das leise Ziehen im Magen
Über so etwas redet man nicht. Nicht mit Kunden, die freundlich „Super, passt!“ schreiben. Nicht mit Freunden, die denken, Selbstständige hätten es besser, weil sie ihre Zeit selbst einteilen.
Und man will ja nicht jammern. Die Aufträge kommen. Die Rechnungen werden bezahlt, meistens. Es läuft. Nur dass „es läuft“ und „es trägt“ zwei verschiedene Dinge sein können.
Jonas kennt das Muster. Wenn ein Monat gut ist, atmet er auf und gibt etwas aus. Wenn ein Monat dünn ist, rechnet er nach, wo noch etwas zu holen ist, und arbeitet abends nach. Zu Hause wird er dann schweigsam. Seine Freundin fragt nicht mehr jedes Mal nach, was los ist. Das ist fast das Schlimmste.
Er startet den Motor. Die Bremsen quietschen, als hätten sie zugehört.
Der Satz am Nachmittag
Am selben Tag, gegen 15 Uhr, sitzt er im Videocall mit einer Kundin aus Hannover. Sie will eine neue Seite für ihre Praxis. Sie fragt, wie üblich, was das ungefähr kosten würde.
Jonas hört sich sagen: „Da müsste ich kurz kalkulieren, ich schicke Ihnen heute noch was.“
Er kalkuliert dann nicht. Er nimmt seinen alten Satz, multipliziert ihn mit den Stunden, die er schätzt, und rundet ein bisschen ab, damit es freundlich wirkt. Als er auf Senden klickt, spürt er es wieder: dieses Ziehen. Als hätte er gerade etwas verschenkt, das er noch gebraucht hätte.
Das ist der Moment, in dem er den Laptop zuklappt und sich zum ersten Mal nicht fragt: „Ist das zu teuer?“ Sondern: „Wovon rechne ich eigentlich aus?“
Rechnen von der anderen Seite
Am Wochenende setzt er sich mit einem Block und einem Kaffee an den Küchentisch. Keine Tabelle, noch nicht. Nur Fragen, wie man sie einer Freundin stellen würde.
Was muss im Monat wirklich reinkommen, damit ich ruhig schlafe? Wie viele Stunden sind das echte, bezahlte Stunden, und nicht die, die ich am Schreibtisch sitze? Was brauche ich für die Monate, in denen wenig los ist?
Beim Aufschreiben passiert etwas Merkwürdiges. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist höher als sein alter Satz. Nicht dramatisch. Aber spürbar. Und sie wirkt nicht mehr wie eine Frechheit, die er sich erst trauen muss. Sie wirkt wie das Ergebnis einer Rechnung, die er endlich einmal von der richtigen Seite gemacht hat.
Er weiß: Das ist keine Steuerberatung, und für die Details seiner Abgaben bleibt der Termin bei seiner Steuerberaterin da. Aber er weiß jetzt, womit er in dieses Gespräch geht. Mit einem eigenen Gefühl für seine Zahlen, statt mit einem Schulterzucken.
Ein normaler Montag, später
Stell dir den Montag vor, der danach kommt.
Jonas sitzt um halb neun am Schreibtisch. Eine Anfrage liegt im Postfach. Früher hätte er die Mail dreimal gelesen und sich vor dem Antworten gedrückt. Jetzt nennt er seinen Preis in einem ruhigen Satz, ohne Entschuldigung davor und ohne „eigentlich“ dahinter.
Die Kundin schreibt zurück. Sie hat noch eine Frage zum Umfang, nicht zum Preis. Er antwortet in zwei Minuten.
Um 17:30 Uhr klappt er den Laptop zu. Draußen räumt jemand Fahrräder ins Treppenhaus. Es riecht nach Abendessen von irgendwoher. Der Februar ist immer noch leer, aber er schaut ihn an, ohne dass der Magen sich zusammenzieht. Er weiß ungefähr, was ein ruhiger Monat für ihn kosten darf und was er dafür verlangen muss.
Die Werkstattrechnung ist übrigens bezahlt. Sie war ärgerlich, mehr nicht.
Wenn du dich wiedererkennst
Vielleicht stehst du gerade selbst irgendwo zwischen Reifenstapeln, am Küchentisch oder vor einer Mail mit der Frage „Was kostet das?“. Vielleicht hast du deinen Satz auch einmal aus dem Bauch gewählt und seitdem nie wieder angeschaut.
Das ist keine Schwäche. Es ist das, was passiert, wenn man allein arbeitet und niemand einem zeigt, wie man von der anderen Seite rechnet.
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Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.