Blixwerk

Gehalt in Stundensatz umrechnen? Der Abschiedskuchen

2026-10-25

Freitag, 15:40 Uhr. In der Teeküche steht ein Marmorkuchen, den jemand aus der Buchhaltung mitgebracht hat. Auf dem Pappteller liegt eine Karte mit zwölf Unterschriften. Es ist Maras letzter Tag als angestellte Grafikdesignerin.

Sie hat gekündigt, weil sie es wollte. Drei Kunden warten schon auf sie. Alle drei haben schon gesagt: „Schick uns einfach ein Angebot.“

Dann fragt Tobias aus dem Vertrieb, mit vollem Mund und ehrlichem Interesse: „Und was nimmst du jetzt so pro Stunde?“

Mara lächelt. „Das klär ich gerade“, sagt sie.

Sie klärt es nicht. Sie hat keine Ahnung.

Die Zahl, die auf dem Gehaltszettel steht

Im Kopf trägt Mara eine einzige Zahl mit sich herum: ihr Gehalt. Die kennt sie auswendig, so wie man seine eigene Telefonnummer kennt. Sie hat sich daran gewöhnt, dass sie jeden Monat pünktlich auf dem Konto landet, auch im Urlaub und mit Grippe.

Aber ein Stundensatz? Das ist eine andere Sprache.

In den letzten Wochen hat sie es versucht. Einmal hat sie ihr Gehalt durch die Stunden im Arbeitsvertrag geteilt und gedacht: Das klingt eigentlich ganz okay. Dann hat sie bei einer Kollegin im Netz nachgeschaut, was Freelancer so aufrufen. Die Spanne reichte von „Das kann doch nicht stimmen“ bis „Das traut sich doch keiner“.

Am Ende hat sie sich irgendeine Zahl in die Notizen getippt. Sie sieht ordentlich aus. Aber Mara weiß nicht, woher sie kommt.

Was auf dem Gehaltszettel nicht steht

Auf dem Heimweg sitzt sie in der Bahn, den Karton mit der Kaffeetasse und dem Kaktus auf dem Schoß. Ihr kommen Fragen, die sie bisher nie stellen musste.

Wer bezahlt eigentlich ihren Urlaub, wenn es kein Urlaubsgeld mehr gibt? Was ist mit den Tagen, an denen sie Angebote schreibt und Mails beantwortet und niemand dafür zahlt? Und was ist mit der Krankenkasse, die bisher einfach „abging“? Sie weiß, dass sie das alles irgendwo mitrechnen muss. Sie weiß nur nicht, wo man anfängt.

Und darunter liegt noch etwas anderes, das sie keinem erzählen würde: die Angst, zu viel zu verlangen und ausgelacht zu werden. Und die zweite Angst, zu wenig zu verlangen und es ein Jahr lang still zu bereuen.

Mara kennt dieses Gefühl bei anderen. Ihre Freundin Jule hat beim Start als Texterin „erstmal 35 Euro“ gesagt, weil es nett klang. Zwei Jahre später sagt sie: „Ich hab mich selbst günstig verkauft und keiner hat mir den Zettel gezeigt.“

Der Karton wird schwer. Die Bahn hält. Mara steigt aus, ohne zu wissen, was sie am Montag antworten soll, wenn die erste Mail kommt.

Der Sonntagabend, an dem es kippt

Am Sonntag sitzt sie mit einem Tee am Küchentisch. Das Angebot für den ersten Kunden, ein kleines Café mit neuem Logo, liegt halb geschrieben vor ihr. Die Zeile „Stundensatz: ___ €“ blinkt.

Sie liest in einem Blogartikel, dass man sich nicht vom Bruttogehalt allein leiten lassen soll. Sie denkt: Okay. Aber was dann?

Dann findet sie eine kleine Excel-Datei. Sie ist nicht schick und verspricht nichts Großes. Man trägt ein, was einem im Monat wirklich wichtig ist, und was man im Jahr tatsächlich an bezahlbaren Tagen hat. Das Ergebnis ist eine Zahl, die nicht mehr vom Himmel fällt.

Mara muss erst einmal kurz lachen. Die Zahl ist höher, als sie sich getraut hätte. Und sie ist nicht höher, weil jemand gierig wäre. Sie ist höher, weil in ihr plötzlich Dinge stehen, die sie bisher nie mitgezählt hat: die Tage ohne Aufträge, die Kasse, den Urlaub, die Zeit für das eigene Chaos.

Zum ersten Mal sieht sie, dass „mein Gehalt durch meine Stunden“ eigentlich nie die ganze Rechnung war.

Sie schreibt die Zahl ins Angebot. Dann noch einmal. Dann geht sie eine Runde um den Block, weil ihr Herz klopft, als hätte sie etwas Verbotenes getan.

Was sie nicht tut: nachts um eins noch einmal alles ändern.

Ein ganz normaler Montag

Montag, 9:20 Uhr. Das Café hat geantwortet. Der Inhaber schreibt: „Passt, wann können wir starten?“

Mara sitzt mit einem Kaffee am Fensterplatz ihres Mini-Arbeitszimmers. Sie liest die Mail zweimal. Es gibt kein Feilschen und keinen langen Satz mit „Wir müssten da mal schauen“. Er will einfach anfangen.

Das Gefühl ist leise, nicht triumphal. Es ist eher so, als würde jemand in ihrem Bauch einen Knoten lösen, den sie seit der Kündigung mit sich herumgetragen hat.

Am Nachmittag stellt sie fest, dass sie die erste Rechnung gar nicht mehr fürchtet. Sie weiß, was sie verlangen kann und warum. Wenn jemand fragt, muss sie nicht mehr „äh, so um die …“ sagen. Sie kann ruhig antworten, so wie man einen Preis auf einer Speisekarte nennt.

Am Freitag schickt sie Tobias eine kurze Nachricht: „Ich weiß jetzt, was ich pro Stunde nehme. Und ich weiß, warum.“ Er schreibt zurück: „Stark. Dann kannst du ja bald den Kuchen ausgeben.“

Wenn du dich in Mara wiedererkennst

Mara ist eine erfundene Figur. Aber der Moment mit der Frage, die keiner beantworten kann, ist es nicht. Viele, die aus dem Angestelltenleben kommen, kennen ihn.

Wenn du gerade vor einem Angebot sitzt und die Zeile „Stundensatz“ blinkt: Es gibt einen sanften Anfang. Der Know Your Rate – Free Freelance Rate Calculator + Invoice Template ist eine kostenlose Excel-Datei (auf Englisch). Du findest damit deinen Mindest-Stundensatz und Tagessatz heraus. Danach schreibst du eine saubere, druckbare Rechnung, mit automatischer Summe, Steuerzeile und Fälligkeitsdatum.

Er ersetzt keinen Steuerberater und keine Beratung. Aber er gibt dir eine Zahl, bei der du nicht raten musst. Du zahlst, was du magst, auch null.

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