Keine Aufträge im Januar? Der Plätzchenteller im Cowork
2026-11-03
Es ist Freitag, kurz nach zwölf, und in der Küche des Coworking-Space riecht es nach Zimt und aufgewärmtem Linseneintopf. Jemand hat einen Plätzchenteller auf die Arbeitsplatte gestellt. Aus der Box auf dem Kühlschrank läuft leise Weihnachtsmusik.
Mira, selbstständige Videografin, hält eine Tasse Tee in der Hand und nickt freundlich. Der Typ von der Agentur nebenan hat gerade gefragt: „Und, wie sieht's bei dir im Januar aus?“
„Gut“, sagt sie. „Ziemlich gut.“
Das Wort klingt in ihren Ohren falsch, kaum ist es draußen.
Mira ist eine ausgedachte Figur. Aber vielleicht kennst du diesen Moment.
Das „Gut“, das keins ist
Sie nimmt sich einen Vanillekipferl, nur damit die Hände etwas zu tun haben. Im Kopf läuft schon der Film, den sie seit Tagen abspielt: der Kalender für Januar, fast leer. Ein Kunde, der „im neuen Jahr mal draufschauen“ wollte. Ein Angebot, das seit drei Wochen unbeantwortet im Postfach liegt. Und die Miete, die am ersten wieder abgebucht wird, egal, wie ruhig der Monat ist.
Das Schwierige ist nicht die Flaute selbst. Die gehört zu diesem Beruf, das weißt du. Das Schwierige ist, dass du gar nicht genau sagen kannst, wie es um dich steht. Wie viel Luft hast du? Wie viele Wochen trägt dich das, was auf dem Konto ist? Was liegt eigentlich noch in der Pipeline, und was hast du nur in Gedanken dorthin geschoben, weil es sich besser anfühlt?
Also sagst du „gut“. Und lächelst.
Zahlen im Kopf sind immer die schlechtesten
Am Nachmittag sitzt Mira wieder an ihrem Platz. Der Schnitt für einen Kundenfilm läuft im Hintergrund, sie sieht kaum hin. Stattdessen öffnet sie drei Dateien nacheinander. Eine Excel-Liste vom Frühjahr, die sie nie weitergeführt hat. Eine Notiz auf dem Handy mit dem Titel „Ziele 2026“. Ein Ordner namens „Angebote“, in dem zwei Versionen derselben Datei liegen.
Nichts davon passt zusammen. Alles davon macht ein bisschen Druck im Bauch.
Sie rechnet im Kopf: Wenn der eine Kunde absagt, wenn der andere erst im Februar zahlt, wenn sie im März zwei Wochen weg ist … Dann bricht sie ab. Im Kopf rechnet man immer nur das Schlimmste, und selten genau.
Und da ist noch etwas, über das sie mit niemandem spricht: Sie weiß nicht einmal, ob ihr Jahr eigentlich gut war. Sie hat viel gearbeitet. Aber hat sie ihr Ziel erreicht? Welches Ziel? Es gab keins, das man hätte nachzählen können.
Der Satz, der etwas lockert
Am Abend telefoniert Mira mit ihrer Schwester, die als Physiotherapeutin angestellt ist und von Urlaubsplanung redet, als wäre sie ein Naturgesetz. „Wir haben für 2027 schon alles eingetragen“, sagt sie. „Brückentage, Ferien, alles. Da weiß ich ab Januar, wo ich stehe.“
Mira sagt nichts. Aber nach dem Auflegen bleibt der Satz hängen: Da weiß ich, wo ich stehe.
Sie hat nie ein Jahr so angeschaut. Sie hat ihre Selbstständigkeit immer von Monat zu Monat gelebt, wie ein Wetterbericht für morgen. Was wäre, wenn man sie einmal im Ganzen sehen könnte? Nicht als Angstbild, sondern als Plan. Wie viel Umsatz du dir vornimmst. Wie viele Wochen du wirklich arbeiten kannst und wie viele frei bleiben sollen. Was gerade im Gespräch ist und was nur eine Hoffnung.
Es müsste nicht kompliziert sein. Nur an einem Ort stehen, ehrlich und sichtbar.
Ein anderer Montag
Stell dir vor, es ist der erste Montag im Januar. Draußen ist es noch dunkel, der Kaffee dampft, der Laptop geht auf.
Der Januar ist trotzdem ruhig. Aber diesmal kennst du ihn. Du weißt, welche Anfragen offen sind und bei welcher du diese Woche nachfragst. Du weißt, wie viele Wochen dein Polster trägt, und das Wissen ist kleiner als die Sorge, die vorher in deinem Kopf war. Du weißt auch, dass der Urlaub im Sommer schon eingeplant ist und nicht in dein Gewissen hineinregiert.
Du schreibst zwei Mails an potenzielle Kunden. Nicht panisch, sondern weil es auf deiner Liste steht. Um halb eins gehst du spazieren, weil Zeit da ist und du sie nicht schlechtem Gefühl überlassen musst.
Die Flaute ist nicht weg. Aber sie ist kein Nebel mehr. Sie ist ein Abschnitt in einem Jahr, den du vorausgesehen hast.
Was Mira am Sonntag macht
Am Sonntagnachmittag, bevor sie sich ein weiteres Mal in Gedankenschleifen verliert, setzt sich Mira hin und baut sich ihr 2027 zusammen. Sie hat dafür etwas gefunden, das nicht nach Buchhaltung aussieht, sondern nach einem ruhigen Überblick: Ziele und tatsächliche Zahlen nebeneinander, eine Übersicht für die Anfragen, ein Kalender für freie Wochen, am Ende jedes Quartals ein kurzer Blick zurück.
Sie braucht nicht lange. Beim Eintragen merkt sie, dass der Druck im Bauch kleiner wird, weil die Dinge endlich einen Platz haben. Das Gefühl ist weniger „Ich habe es im Griff“ als „Ich muss es nicht mehr allein im Kopf halten“.
Am Montag sagt sie in der Coworking-Küche zum Agentur-Typen: „Der Januar ist etwas ruhiger. Dafür weiß ich genau, was danach kommt.“
Und zum ersten Mal in diesem Dezember stimmt jeder Teil des Satzes.
Wenn du dich wiedererkennst
Vielleicht stehst du gerade selbst mit einem Plätzchen in der Hand da und sagst „Läuft“, während dein Januar leer aussieht. Das ist keine Schwäche, und du bist damit nicht allein. Du brauchst nur einen Ort, an dem dein Jahr einmal ehrlich sichtbar wird.
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Und bis dahin: Nimm dir auch noch ein Plätzchen.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.