Preise erhöhen bei Bestandskunden? Die Ladesäule, 15:40
2026-10-25
Es ist Freitag, 15:40 Uhr. Du stehst auf dem Parkplatz eines Supermarkts, das Auto hängt an der Ladesäule, die Anzeige sagt: noch 27 Minuten.
Du hättest in der Zeit einkaufen können. Stattdessen sitzt du hinter dem Lenkrad, das Handy in der Hand, und starrst auf einen Mailentwurf. Er hat drei Sätze. Der erste lautet: „Hallo Frau Brandt, ich hoffe, es geht Ihnen gut.“
Der Rest ist leer.
Das Cursor-Blinken ist das einzige, was sich bewegt.
Vier Jahre, derselbe Satz
Stellen wir uns Lena vor. Sie schreibt Texte und baut kleine Websites für Betriebe in der Region. Frau Brandt ist ihre älteste Kundin, eine Physiotherapiepraxis. Vor vier Jahren war sie die erste, die sagte: „Ja, machen wir.“ Lena hat das nie vergessen.
Ihr Stundensatz damals: ein Wert, den sie sich mit klopfendem Herzen getraut hatte zu nennen. Heute ist er derselbe. Vier Jahre später. Mit mehr Erfahrung, besseren Ergebnissen, einem vollen Kalender.
Lena weiß das alles. Sie weiß es morgens beim Kaffee, sie weiß es beim Blick auf die Miete, sie weiß es bei jeder Rechnung, die sie schreibt.
Und trotzdem bleibt der Entwurf leer.
Was im Kopf passiert, während der Akku lädt
Die Gedanken kommen immer in derselben Reihenfolge.
Frau Brandt war immer fair zu mir. Stimmt.
Was, wenn sie jemand Günstigeren findet? Möglich, aber unwahrscheinlich, sagt die eine Stimme. Die andere flüstert: Und wenn doch?
Vielleicht warte ich bis nach dem nächsten Projekt. Das ist der Gedanke, der am vernünftigsten klingt. Er ist auch der, den Lena seit einem Jahr denkt.
Das Unangenehme daran: Es fühlt sich nicht nach einer Entscheidung an. Es fühlt sich an wie Rücksicht. Wie Höflichkeit. Dabei ist es ein leiser Dauerzustand, in dem du jedes Mal ein kleines bisschen weniger verdienst, als du dir selbst zugestehen würdest, und dir deswegen im Stillen übel nimmst.
Man merkt es nicht an einem einzelnen Tag. Man merkt es an dem Gefühl, am Monatsende irgendwie müde zu sein, obwohl die Auftragslage gut war.
Das Gespräch, das nie stattfindet
Lena spielt es seit Wochen im Kopf durch. In der Dusche. Im Supermarkt. Beim Einschlafen.
In der Version, die sie am meisten fürchtet, antwortet Frau Brandt nicht sofort. Es folgt ein Schweigen von zwei Tagen. Dann ein knappes „Das muss ich mir überlegen.“ Und dann ist es vorbei, nach vier Jahren.
Dass dieses Szenario sich in all den Wochen nie so abgespielt hat, weil es nie ausprobiert wurde, kommt in dem Film nicht vor.
Die Ladesäule piept. Noch 19 Minuten.
Lena legt das Handy auf den Beifahrersitz. Sie atmet aus und sieht einer Frau zu, die ihren Einkaufswagen zurückbringt, ohne sich zu beeilen. Es wirkt, als hätte diese Frau keine einzige offene Frage im Kopf.
Der Moment, in dem die Zahl ruhiger wird
Dann fällt Lena etwas auf, das nichts mit Mut zu tun hat.
Sie hat nie aufgeschrieben, warum ihr Satz so ist, wie er ist. Sie hat damals eine Zahl genannt, weil sie sich traute. Nicht, weil sie sie begründen konnte. Seitdem hängt diese Zahl an ihr wie ein Kleidungsstück, das nicht mehr passt, das sie aber trotzdem jeden Tag anzieht.
Wer eine Zahl nicht begründen kann, kann sie auch nicht gelassen sagen. Das Zittern kommt nicht aus der Zahl, sondern aus dem Nebel um sie herum.
Lena öffnet auf dem Handy eine Notiz. Sie schreibt keine Mail. Sie schreibt auf, was ein Monat bei ihr kostet: Miete fürs Arbeitszimmer, Versicherungen, Software, die Tage, an denen kein Auftrag läuft, Urlaub, der nicht bezahlt wird, und das, was sie am Ende des Jahres gern übrig hätte. Ohne Rechenkünste, einfach als Liste.
Es ist keine Steuerberatung und keine Wissenschaft. Es ist nur eine Liste. Aber als sie fertig ist, steht da zum ersten Mal ein Satz, der ihr gehört: Das ist der Stundensatz, den ich brauche, damit mein Betrieb bei mir ankommt.
Die Zahl liegt über ihrer alten. Nicht dramatisch, aber deutlich.
Und sie fühlt sich plötzlich nicht mehr wie eine Bitte an. Sie fühlt sich an wie ein Fakt.
Ein Montag, der sich anders anfühlt
Spulen wir ein paar Wochen vor.
Montag, 9:10 Uhr. Lena sitzt am Schreibtisch, das Fenster ist offen, nebenan fährt jemand mit dem Rad vorbei. Die Mail an Frau Brandt ist seit Freitag raus. Kurz, freundlich, mit einem Dank für vier Jahre und einem klaren Datum, ab dem der neue Satz gilt.
Sie hat nicht gebettelt und sich nicht entschuldigt. Sie hat auch nicht fünf Absätze erklärt, warum sie das „leider“ tun müsse.
Die Antwort kommt am Dienstag. Zwei Zeilen. Wir lassen offen, was drinsteht, denn so eine Geschichte kann gut ausgehen oder zu einem ehrlichen Gespräch führen. Auch ein Nein wäre eine Antwort gewesen, mit der man planen kann, statt jahrelang gegen ein Gefühl zu arbeiten.
Was sich verändert hat, ist nicht das Ergebnis. Es ist Lenas Körper. Der Magen ist ruhig. Die Schultern sind unten. Wenn die nächste Anfrage kommt, muss sie die Zahl nicht mehr vor sich herschieben.
Sie weiß, woher sie kommt.
Wenn du dich im Auto auf dem Parkplatz wiedererkennst
Vielleicht ist es bei dir keine Ladesäule. Vielleicht ist es die Bahnfahrt, der Spaziergang, der Sonntagabend. Der Ort ist egal. Was bleibt, ist der leere Mailentwurf und das Gefühl, dass irgendwo eine Zahl steht, die nicht mehr zu dir passt.
Du musst nicht heute mutig sein. Du musst nur wissen, wie deine Zahl zustande kommt, sodass du sie nicht mehr entschuldigen musst.
Wenn du dafür einen ruhigen Ausgangspunkt suchst: Der Know Your Rate – Free Freelance Rate Calculator + Invoice Template (Excel) hilft dir, deinen Mindest-Stunden- und Tagessatz zu finden, und danach eine saubere, druckbare Rechnung zu schreiben. Er ist kostenlos (Pay what you want) und liegt als Excel-Datei vor, die Beschriftung ist englisch.
Die Zahl, die du am Ende siehst, ersetzt keine Beratung durch deinen Steuerberater. Aber sie gibt dir etwas, das beim nächsten Mailentwurf zählt: einen Satz, den du ohne Räuspern schreiben kannst.
Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.