Blixwerk

Social Media Burnout? Der Transporter um 12:10 Uhr

2026-10-31

Der Wagen steht schief am Gartentor. Die Heckklappe ist offen, die Thermoskanne dampft auf dem Armaturenbrett. Es ist 12:10 Uhr, und Svenja hat genau vierzig Minuten, bevor die Hecke hinten bei Familie Albrecht weitergeschnitten werden muss.

Vierzig Minuten. Sie könnte die Augen zumachen. Sie könnte ihr Brot essen und aus dem Fenster schauen.

Stattdessen öffnet sie Instagram.

Das Profil der Landschaftsgärtnerin zeigt als letzten Beitrag ein Beet mit Lavendel. Datum: vor neun Tagen. Darunter ein Kommentar von einer früheren Kundin: „Wann kommt mal wieder was Neues?“ Gemeint ist es freundlich. Es fühlt sich trotzdem an wie ein Zeigefinger.

Sie tippt auf das Plus. Die Galerie öffnet sich. Dreihundert Fotos von Erde, Rindenmulch und Hecken. Sie scrollt. Welches? Und was schreibt man dazu? Etwas Kluges? Etwas Persönliches? Das Foto ist schön, aber ist es der Beitrag?

Das Brot bleibt unangetastet.

Das leise Rauschen im Hinterkopf

Wenn du selbstständig bist, kennst du dieses Rauschen. Es hat keinen Namen auf der Steuererklärung und taucht in keiner Auftragsliste auf. Aber es ist da, den ganzen Tag.

Du müsstest mal wieder posten.

Beim Zähneputzen denkst du es. An der Supermarktkasse auch. Und mittags, wenn du eigentlich Pause hast, wird die Pause zur Aufgabe, die du schlecht erledigst. Du postest dann irgendwas, weil „irgendwas“ besser sein soll als nichts. Am Ende ist es meistens beides nicht.

Svenja kennt das Muster. Zwei Wochen Funkstille, dann schlechtes Gewissen, dann ein hastiger Beitrag, dann wieder Funkstille. Jedes Mal fühlt sie sich ein bisschen mehr wie jemand, der nicht „richtig“ selbstständig ist. Eine echte Firma hätte doch einen Plan. Eine echte Firma hätte vielleicht jemanden, der das macht.

Sie hat niemanden. Sie hat einen Transporter, eine Heckenschere und ein Handy mit 4 % Akku.

Was es wirklich kostet

Es sind nicht die zehn Minuten, die sie vor dem Bildschirm verliert. Es ist das, was drumherum passiert.

Sonntagabends sitzt sie auf dem Sofa und überlegt, was sie in der Woche posten könnte, ohne dass je ein Ergebnis dabei herauskäme. Sie vergisst, ein Foto zu machen, wenn das Licht schön ist, weil sie in Gedanken schon beim nächsten Auftrag ist. Und wenn eine Anfrage reinkommt, fragt sie sich manchmal: Hat die Frau mein Profil gesehen? Und wenn ja, was hat sie dort gefunden? Ein Beet von vor neun Tagen?

Kein Drama. Nur ein stetiges, leises Gefühl von „hinterher“. Es sitzt neben der Müdigkeit vom Tag und macht sie ein bisschen schwerer.

Der Satz, der nicht von ihr kam

An diesem Mittag kommt Herr Albrecht aus dem Haus, zwei Becher Kaffee in der Hand, und lehnt sich an den Zaun.

„Ich hab Ihre Seite meiner Schwägerin gezeigt“, sagt er. „Die will auch einen Garten machen lassen. Haben Sie nicht neulich so einen Kiesweg gebaut? Den würde sie gern sehen.“

Den Kiesweg gibt es. Das Foto auch, irgendwo, in den dreihundert. Gepostet hat sie es nie.

Sie nickt, lächelt, sagt: „Schick ich Ihnen.“ Und im Kopf sagt etwas anderes: Schon wieder. Schon wieder war die Idee da und der Moment weg.

Am Abend, nach der Arbeit, sitzt sie nicht auf dem Sofa und grübelt. Sie sitzt am Küchentisch und schreibt auf einen Zettel, was in den letzten Wochen eigentlich los war. Der Kiesweg. Die Hecke bei den Albrechts. Das Hochbeet für die Grundschule. Die Rosen, die sie im Frühling gerettet hat.

Es ist keine Ideenflaute. Das Material liegt längst da. Es hat nur keinen Ort, an dem es geordnet wartet.

Und dann: ein ganz normaler Montag

Stell dir vor, wie das aussehen könnte.

Montag, 7:30 Uhr. Kaffee. Svenja öffnet eine einzige Datei und sieht auf einen Blick, was diese Woche kommt: Dienstag der Kiesweg, Donnerstag ein Gartentipp, Samstag ein kurzes Vorher-Nachher. Die Bildunterschriften stehen schon halb da, die Hashtags auch. Sie muss nichts erfinden. Nur anpassen.

Um 12:10 Uhr sitzt sie wieder im Transporter. Diesmal isst sie ihr Brot. Das Handy bleibt in der Tasche, und die Pause gehört ihr.

Social Media ist nicht verschwunden. Es ist nur kleiner geworden: ein Termin, den sie kennt, statt ein Rauschen, das sie überall begleitet. Wenn sie ein schönes Foto macht, weiß sie, wohin damit. Wenn eine Woche mal ausfällt, sieht sie es und ist nicht erschrocken. Sie sieht einfach, wo sie wieder anknüpfen kann.

Ganz ohne schlechtes Gewissen. Und mit einem Kopf, in dem wieder Platz für Gartenpläne ist.

Wenn du dich wiedererkannt hast

Vielleicht bist du keine Gärtnerin. Vielleicht bist du Fotografin, Coach, Friseurin oder Texter. Der Moment ist derselbe: Pause, Handy, leerer Kopf, ein Beitrag, der „mal wieder fällig“ ist.

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Und wenn nicht: Iss trotzdem erst mal dein Brot.

Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.

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