Social Media vergessen? Die Kundin in der Tischlerei
2026-10-22
Donnerstag, 17:40 Uhr. In der Werkstatt riecht es nach Leim und frischen Sägespänen. Mara schleift gerade die Kante einer Eichenplatte, als die Türglocke geht.
Eine Frau steht im Eingang, Mitte vierzig, Jutetasche, ein Maßband in der Hand. „Hallo! Ich wollte mal nach dem Regal fragen, das ihr im Frühjahr gebaut habt. Ich dachte, ihr hättet vielleicht zugemacht. Ich hab euch ewig nicht mehr auf Instagram gesehen.“
Mara lächelt. Sie sagt: „Nein, nein, wir sind da.“ Und während sie es sagt, spürt sie dieses leise Ziehen im Magen.
Das letzte Foto ist elf Wochen alt. Sie weiß es genau. Sie hat es vorhin beim Mittagessen nachgesehen, mit schlechtem Gewissen und einer halben Stulle in der Hand.
Der Kopf, der nebenbei mitläuft
Das Merkwürdige ist: Mara hat nicht nichts gemacht. Sie hat in diesen elf Wochen eine Küche eingebaut, zwei Kinderbetten gebaut und eine Treppe saniert. Es gab schöne Momente, bei denen sie gedacht hat: Das wäre ein gutes Foto.
Und dann hat sie es nicht gemacht. Die Hände waren voller Leim. Das Licht war schon weg. Und abends, wenn sie hätte posten können, war sie zu müde, um sich einen Text auszudenken.
So läuft es meistens. Sonntagabends nimmt sie sich vor, „diese Woche mal wirklich“ etwas zu posten. Dann sitzt sie vor dem leeren Feld und fragt sich, was sie überhaupt schreiben soll. Montag kommt ein Kundentermin dazwischen. Dienstag eine Lieferung. Mittwoch ist es schon wieder zu spät, und Donnerstag steht eine Kundin in der Tür.
Niemand sagt es laut, aber viele Selbstständige kennen dieses Gefühl. Man macht gute Arbeit und zeigt sie nicht. Man fühlt sich ein bisschen wie jemand, der seine eigene Firma nicht richtig im Griff hat.
Was die Stille kostet
Die Kundin bestellt am Ende trotzdem. Sie hatte ja eine konkrete Frage und eine konkrete Nische im Wohnzimmer. Mara nimmt Maß, notiert, verspricht ein Angebot bis Montag.
Aber der Satz bleibt hängen: Ich dachte, ihr hättet vielleicht zugemacht.
Später, beim Fegen, rechnet sie nicht in Euro, sondern in Gedanken. Wie viele Leute haben wohl denselben Eindruck, ohne dass sie je an der Tür klingeln? Das weiß sie nicht. Und genau das ist das Unangenehme: Sie kann es nicht wissen. Sie spürt nur, dass da etwas im Hintergrund leise mitläuft. Beim Abendessen. Beim Zähneputzen. Beim Einschlafen.
Sie denkt auch an ihre Schwester, die sagt: „Mach doch einfach jeden Tag was.“ Als wäre das so einfach, wenn man den ganzen Tag mit Stemmeisen und Kundengesprächen verbringt.
Der Zettel am Schleifbock
Am Wochenende sitzt Mara mit einem Kaffee am Küchentisch. Sie hat sich vorgenommen, nicht wieder ein schlechtes Gewissen zu sammeln, sondern einmal in Ruhe zu schauen.
Und dabei merkt sie etwas, das sie vorher nie so gesehen hat. Ihr fehlen gar nicht die Ideen. Auf ihrem Handy sind Dutzende Fotos: die Treppe vorher und nachher, die Maserung der Eiche, die Kinderbetten mit den abgerundeten Ecken. Ihr fehlt ein fester Platz, an dem das alles landet, bevor es wieder untergeht.
Sie braucht keinen Zwang zu „mehr Content“. Sie braucht einen Ort, an dem sie auf einen Blick sieht: Was ist geplant, was ist fast fertig, was war schon dran? Dann müsste sie nicht jeden Sonntag bei null anfangen.
In ihrem Kopf entsteht ein ruhigeres Bild. Eine einzige Übersicht, die den Monat zeigt. Ein paar vorbereitete Sätze, die sie nur noch anpassen muss. Und die Gewissheit, dass nicht alles an ihrer Tagesform hängt.
Ein ganz normaler Montag, später
Stell dir vor, wie dieser Montag aussieht, wenn das geklärt ist.
Mara kommt um halb acht in die Werkstatt, schaltet die Absaugung an und wirft einen kurzen Blick auf ihre Planung. Für diese Woche stehen zwei Beiträge drin, einer ist schon fertig formuliert. Das Foto von der Treppe liegt bereit. Sie braucht fünf Minuten, ein Haken, fertig.
Danach geht sie an die Werkbank. Der Kopf ist frei für das, was sie wirklich gut kann.
Wenn mittags jemand klingelt und sagt: „Ich hab euch neulich auf Instagram gesehen, die Treppe war toll“, dann lächelt sie, und das Lächeln kommt von innen. Es ist kein Reflex mehr, hinter dem das schlechte Gewissen sitzt.
Nichts davon ist spektakulär. Es ist ein stilles Gefühl von: Ich bin sichtbar, ohne mich dafür zu verbiegen. Der Sonntagabend gehört wieder ihr.
Wenn du dich erkannt hast
Vielleicht ist bei dir nicht die Werkstatt der Ort. Vielleicht ist es das Atelier, die Praxis, der Laden, der Schreibtisch im Gästezimmer. Aber der Satz ist derselbe: „Ich müsste mal wieder was posten.“ Und mit ihm das kleine Ziehen im Magen.
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Eine beispielhafte Geschichte, geschrieben mit KI-Unterstützung.